Münchner Südbad im Retro-Look - Sportstätte und Kunsthalle

Südbad München Lehrschwimmbecken - K. Mieth
Südbad München Lehrschwimmbecken - K. Mieth
Das Südbad ist eine ganz besondere Perle. Im Erhalt der Bestandsarchitektur von 1960 kam 2008 der Retro-Look dazu. Nicht zu toppen: die Videoinstallationen.

Schon aus der Ferne empfängt das Münchner Südbad passend zur Herbstzeit die Bad- und Saunabesucher mit seiner imposanten herbstlich-roten Aussenfassade. Die Architektur des Hauses aus den 1960ern mutet wie ein Gebäude aus der Bauhauszeit an. Sie wurde im Jahr 2008 aussen sowie innen neu gestaltet. Zu dieser Jahreszeit zeigen die rote Aussenwände mit ihrem rankenden wilden Wein nun ein goldgelbes Farbenspiel, und damit eine Farbintensität, die sich im Inneren des Bades in Blau- und Grüntönen fortsetzt. Der immergrüne Pflanzenvorhang wurde im Jahr der Umgestaltung in der großen Schwimmhalle gepflanzt und wuchert seit drei Jahren einem Urwald gleich, fast bis hinab an den Beckenrand. Nimmt er zu viel Raum ein, wird er im drei-Monats-Rhytmus von der Firma Planter's Punch in Form gebracht. Die Pflanzenexperten kennen sich mit Urwaldgewächsen aus, denn die dortigen Mitarbeiter betreuen schon seit langen Jahren andere wilde Gewächse in der Münchner Fussgängerzone. „Die Ranken reagieren sehr empfindlich auf Zugluft und die Urpflanze kommt aus dem Tropenwald. Immer wieder kommen Badegäste, die wissen wollen, ob unsere Pflanzen tatsächlich echt sind“, sagt der Schichtleiter des Südbades Stefan Muik. Und weiter: „Das Klima im Südbad ist mit der hohen Feuchtigkeit aber perfekt für ein gesundes Wachstum.“

Der neue Stil

Seit dem Jahr 2008 erstrahlt das Bad in neuem Glanz. „Unsere Badegäste halten sich gerne in den Schwimmhallen, den Ruhezonen und in der Saunalandschaft auf. Es ist wirklich wunderbar, dass das Bad erhalten geblieben ist und restauriert werden konnte“, sagt Stefan Muik. Im Jahr 1959 wurde die Badeanstalt geplant und 1960 umgesetzt. Fast 50 Jahre blieb sie im alten Kleid. „Zur Wiederöffnung des Bades nach dem Umbau unter Münchens Oberbürgermeister Christian Ude konnte ganz besonders unser neues Edelstahlbecken des 25-Meter-Schwimmbeckens, das zu ebener Erde mit dem Wasserrand abschließt, glänzen“, sagt Schichtleiter Muik über das Bad im südlichen Flair, „denn so etwas kommt sonst nur in den Becken der Freibäder vor.“ Als weiteres Highlight nach dem Umbau nennt er die versenkbare Glasfassade, die im Sommer den Gang auf die neu gestaltete Außenterrasse und dahinter liegenden Wiesen freigibt. Das Gebäude selbst mutet heute wie ein Kunstwerk aus der Bauhauszeit an. Das Architekturbüro Guggenbichler+Netzer gestaltete den Retro-Look im Einklang mit der Bestandsarchitektur aus dem Jahr 1960. „Ich kenne das Bad noch aus alten Zeiten“, erzählt Stefan Muik und zeigt Fotos aus den Anfängen. So hat er den Wandel hautnah begleiten können. Bei den Stadtwerken hat er gelernt, war dann kurzzeitig weg, kehrte aber im Jahr 1969 wieder zu seinem Bäderbetrieb zurück. Seit dem Jahr 2001 ist Muik fester Schichtleiter des Münchner Südbades.

Wasser ist Lebenselixier - Videokunst in der Lehrschwimmhalle

Das Südbad ist nicht nur Bäderanstalt und Reinigungsstätte sondern nimmt den Bezug des Wassers in den Becken zu seinen Ursprüngen und zur Kunst auf. So baut die Videoinstallation eine Brücke, denn alles Leben kommt aus dem Wasser. „Der Mensch kommt ja auch aus dem Wasser, schwimmt schon als ungeborenes Leben darin und fühlt sich ein folgendes Leben lang wohl in diesem Element“, sagt Schichtleiter Stefan Muik. Täglich ab 19 Uhr wirft die Münchner Künstlerin Nele Ströbel zu diesem Thema Videoinstallationen an die Wand des Lehrschwimmbeckens. Die Videokunst mit den Titel „Seestück“ thematisiert die Beständigkeit des Wassers. „Seestück“ ist ein Kunstwerk mit Motiven des Meeres und dessen Küsten, der Schiffe oder Häfen. Bewegung – Ankommen – Return. Dabei wird das Wasser zur Bühne, zum Ort der Inszenierung und Schwimmen wird als „Schreiten durch die Seelenlandschaft“ visualisiert, so die Künstlerin. Mit „Seestück 4_underwater“ist die Fortsetzung einer Serie von Video-Loops entstanden, die die Künstlerin speziell für die Leinwand im Südbad konzipiert hat. Dabei taucht die Kamera in einen See im Spätsommer ein und landet im phantastischen Ambiente einer, von Menschen geschaffenen Unterwasserwelt. Geheimnisvolles Sprudeln oder Lichtreflexionen spiegeln Vielfalt und Schönheit des Spiels mit dem Wasser und bieten eine unendliche Performance im Loop. Die Künstlerin der Videoinstallation, Nele Ströbel: „Die individuelle Begegnung mit dem kostbaren Gut und Element Wasser wird hierbei versinnbildlicht.“

Wasser und stilvolles Ambiente

Das Haus präsentiert sich mit einer künstlerischen Licht- und Farbgebung und Elementen des Bauhaus-Stils innen wie aussen stilvoll. Und kommt der Badegast am Empfang des Südbades mit den freundlichen Mitarbeitern ins Gespräch, schwärmen diese vom großen Saunabereich mit Farblicht-Sanarium und Dampfbad auf der ersten Etage. Wer nicht schwitzen möchte, kann im Wellnessbereich des Außenbereichs in Strömungskanal, Sprudeltopf und auf Sprudelliegen relaxen. „An eine amüsante Anekdote in der Eingangshalle kann ich mich noch gut erinnern“, sagt Stefan Muik: „Ein Herr kam aus dem Schwimmhalle heraus und fragte uns, ob er beim Hereinkommen eine Mütze aufgehabt hätte. Bei, um die fünfhundert Badegästen täglich war dies eine schier unmöglich zu beantwortende Frage an das Badpersonal, witzelt Muik. Über Schwimmbadgeschichten wie dieser ist schon ein Buch geschrieben worden. Darin sind zahlreiche Anekdoten enthalten und diese gesammelten Werke können Badegäste im Müller`schen Volksbad München im Kassenbereich in gebundener Form erwerben.

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Katti Mieth - Nach dem Studium Wirtschafts-und Gesellschaftskommunikation in Berlin lernte ich die Agenturarbeit kennen. In den 80er Jahren wurde ich ...

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